Naturnahe Waldbewirtschaftung

Beispielbild: Naturnahe Bewirtschaftung
Bildrechte: Peter Herbert

„Unordentliche" Wälder sind lebenswichtig. - Die Evangelische Pfründestiftung achtet auf biologische Viefalt

Die Evang.­-Luth. Pfründestiftung in Bayern bewirtschaftet rund 1700 ha Waldflä­chen ganz Bayern. Hierbei handelt es sich meist um kleine und mittlere Wald­flächen mit einer Größe Bereich ein von 10 ha. Es gibt aber auch einzelne auch Waldparzellen mit um die 100 ha. Die Waldbewirtschaftung erfolqt meist über die ortsansässigen Waldbesitzervereini­gungen und Forstbetriebsgemeinschaften in enger Zusammenarbeit mit der Pfründestiftung. In Zeiten zurückgehender Artenvielfalt bei Fauna und Flora ist im Bereich Forst ausunserer Sicht ein Schwerpunkt zu setzen, um hier entgegenzuwirken, da auf diese Flächen ein direkter Zugriff durch die Pfründestiftung besteht.In diesem Zusammenhang muss aber auch der Stif­tungszweck die Erwirtschaftung von Ge­winnen als Beitrag zur Pfarrbesoldung, berücksichtigt werden.

Es stellt sich nun die Frage, ob die Er­füllung des Stiftungszwecks mit einem aktiven Beitrag zum Artenschutz in Einklang gebracht werden kann. Aus mei­ner Sichtist dies ohne Problem möglich. Das Waldgesetz für Bayern (BayWaldG) legt nicht nur fest, dass der Wald nach­ haltig bewirtschaftet werden soll, führt auch aus, dass die biologisch Vielfalt des Waldes zu erhalten und erforderlichen­falls erhöhen ist. Deutlich wird uns die Artenvielfalt am ehesten durch unsere Fauna. Aber wie steht es um die landbe­wohnenden Tierarten unseren Wäldern?

Und wo liegt die Artenvielfalt in unseren Wäldern? Gerade gut gepflegte Wirt­ schaftswälder, auch bei naturnahen wald­ baulichen Verfahren und Baumartenzu­ sammensetzungen, bieten oft sehr wenig Lebensraum für typische waldgebunde­ ne Arten, weil wichtige Strukturen und Entwicklungsphasen von Naturwäldern
in ihnen fehlen. Dies führte in den ver­ gangenen Jahrzehnten bis heute zu Bio­ diversitätsverlusten. Die aktuelle hohe Nachfrage nach Energieholz verschärft die Defizite und stellt darüberhinaus die Nachhaltigkeit der Bodenfruchtbarkeit in Frage.

Grundsätzlich müssen wir hier zwischen zwei Arten unterscheiden: den Biotop­bäumen und dem Totholz. Biotopbäume sind lebende Bäume welche vielfältigen Lebensraum für viele waldgebundene Arten bieten und damit im Sinn einer Förderung der Biodiversität unverzicht­ barer Bestandteil naturnaher Waldöko­systeme sind. Ziel ist die Anreicherung unserer Waldflächen mit Biotopbäumen, die dauerhaft im Wald bleiben und ihrer natürlichen Alterung einschließlich ihrem Absterben wie dem Zerfall überlassen werden. Sie verbleiben somit auch als Totholz und in der Folge als Humus im Wald.

Sogenanntes „Totholz" wel­ches in Wirklichkeit meist voller Leben ist ­ erfüllt viel­ fältige Funktionen im Wald. Es dient z.B.der Wasser­ und Nährstoffstoffspeiche­rung und der Nährstoffver­sorgung.Sie erleichtert die Entstehung und Entwick­lung der Waldverjüngung und dient dem Schutz der Verjüngung vor Wildverbiss. Somit ist Totholz ge­nauso wie die Biotopbäume ein notwendiger Lebensraum für waldgebundene Arten. Sie sind als Strukturelement der Alters und Zerfallpha­se von Wäldern zwingender Bestandteil von naturnahen Waldökosystemen.

Dass entsprechende Men­gen an absterbendem und abgestorbenem Material in unseren Wäldern zur Verfü­gung gestellt werden, kann langfristig ein wichtiger Beitrag sowohl für die Artenvielfalt als auch für die Bo­denfruchtbarkeit sein und gleichzeitig die Ertragsfähigkeit unserer Flächen steigern. Diese Integration von naturnahen Wald­ ökokonzepten und die damit verbundene Anreicherung von absterbendem und be­ reits abgestorbenem Holz führt bei Grund­ stücksnachbarn, Brennholzselbstwerbern und auch einigen Kirchenvorständen zu Unverständnis. Diese Anreicherung er­ folgt aber meist auf Flächen, auf denen eine wirtschaftliche Holznutzung nicht oder nur schwer möglich ist oder die Aus­ gleichzahlungen für naturschutzfachliche Maßnahmen den Holzwert übersteigen. Somit gibt es keinen Widerspruch zwi­ schen Artenschutz und Erfüllung des Stif­ tungszwecks. Man wird sich wohl in Zu­ kunft an etwas „unordentlichere" Wälder gewöhnen müssen.